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Die ARD verhandelt aktuell mit der ASO, dem Vermarkter der Tour de France. Warum gerade jetzt? Das Erste will wieder mitfahren, denn die schweren Etappen im Radsport sind vorbei. Und es winken Wertungspunkte für das Einschaltquoten-Trikot. Ein Kommentar.

Frankreichrundfahrt 2007. Der Doping-Skandal um das Team Telekom hatte das Vertrauen in den deutschen Radsport zerstört. Ein Jahr zuvor hatte die Dopingaffäre Fuentes europaweit ihre Kreise gezogen. Blutbeutel, Spritzen, EPO bestimmten das Bild des Sports. In der zweiten Tourwoche wurde dann Telekom-Fahrer Patrik Sinkewitz positiv getestet. Das Erste stieg direkt aus der Live-Übertragung der Tour 2007 aus.

Was folgte, war eine katastrophale Bilanz: Vier weitere Fahrer im Feld der Tour wurden kurz nacheinander positiv getestet: Erst Winukurow. Dann Moreni. Dann Rasmussen, der damalige Gesamtführende. Nach der Tour wurde Iban Mayo positiv getestet. Es war Wasser auf die Mühlen der ARD. Der Radsport schien verseucht. Und er war es wahrscheinlich auch.

Sieben Jahre: Radsport hat sich verändert

Seitdem hat sich im Radsport einiges getan, zumindest sehe ich das so. Er ist glaubwürdiger, sauberer geworden. (Betonung: Sauberer.) Und ist vielleicht sauberer als andere Sportarten. Er ist sichtbar menschlicher geworden – wie Rasmussen im Duell mit Alberto Contador damals fuhr, war schlichtweg unmenschlich. Die Zeiten sind vorbei, die Dopingkontrollen dichter und strenger. Jetzt sind neue Akteure im Peloton: John Degenkolb, Marcel Kittel, Toni Martin, André Greipel sind Vertreter einer neuen Generation im deutschen Radsport. Ich kann ihnen glauben. Und ihren Leistungen. Und möchte es auch. Der Reinigungsprozess im Radsport hat begonnen, das ist ein erfreuliches Erbe der dunklen Jahre.

Gerade jetzt möchte die ARD wieder einsteigen. Eurosport war zwischenzeitlich dem Radsport treu geblieben, zeigte Jahr für Jahr die gesamte Saison von den Frühjahrsklassikern bis zur Spanienrundfahrt. Es wurde in den Jahren viel über Doping gesprochen, Zweifel an sehr dubiosen Leistungen offen formuliert, Missstände kritisiert. Aber eben auch der Sport und seine Ästhetik gezeigt.

Das Erste hängt sich in den Windschatten

Das Erste ging meiner Meinung nach den bequemen Weg. Ist umgedreht, statt gegen den Wind zu fahren. Die Übertragungsrechte an der Tour werden dieses Jahr  wahrscheinlich noch ein Schnäppchen sein. Der Imageverlust zeigt sich im Radsport auch wirtschaftlich. Die deutschen Fahrer, Teams, der Radsport haben sich zwischenzeitlich durchgebissen. Jetzt möchte das Erste wieder mitfahren. Jetzt, da das Image nicht mehr ganz so katastrophal ist. Schließlich lockt die Quote mit deutschen Etappensiegen. 2012 waren es 3, 2013 schon 6. Die ARD wacht auf. 2014: 7 Etappensiege. Jetzt aber schnell die Rennradkappe aufsetzen! Zwar fährt die ARD beim Rennen um die Quote eigentlich außerhalb der Wertung, aber man kann sich ja trotzdem im Zielsprint messen. Man hat ja viel Puste gespart.